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20. Januar 2010

BVK-Verleihung an Renate und Roland Kolbeck

Rede von Oberbürgermeister
Frank Baranowski

Ob Sie es mir glauben oder nicht: Obwohl ich des Öfteren die Ehre habe, verdiente Persönlichkeiten mit dem Bundesverdienstkreuz auszuzeichnen, ist es doch jedes Mal etwas ganz Besonderes für mich. Das liegt nicht nur an dieser staatstragenden Amtskette, die ich bei dieser Gelegenheit tragen darf. Es liegt auch am feierlichen Rahmen hier im Schloss Horst. Und es liegt daran, dass so viele gut gelaunte Menschen in diesem würdigen Rahmen die Auszuzeichnenden stolz hochleben lassen wollen.

Liebes Ehepaar Kolbeck,

es ist noch nicht vorgekommen dass ich gleich zwei Menschen mit dem Bundesverdienstkreuz ehren darf. Noch dazu, wenn es sich um ein Ehepaar handelt, das gemeinsam seit mehr als zehn Jahren fast jede Minute seiner Freizeit für andere Menschen opfert. Oder ist „opfern“ vielleicht gar nicht der richtige Begriff? Denn Ehrenamt kann schließlich auch sehr viel Freude bereiten. Anders ist es nicht zu erklären, dass in Deutschland jedes Jahr Millionen von Menschen ehrenamtlich aktiv werden. Bundesweit sind immerhin ein Drittel aller Einwohner über 16 Jahren in irgendeiner Weise ehrenamtlich engagiert.

Der „Ehrenamtsatlas Deutschland“ hat einmal den Versuch unternommen, den volkswirtschaftlichen Wert ehrenamtlicher Arbeit zu ermitteln. Die 16,2 Stunden, die pro Freiwilligem in Deutschland monatlich und durchschnittlich geleistet werden, entsprechen demnach rund 3,2 Millionen Vollarbeitsstellen. Bei einem Stundenlohn von 7,50 Euro ergäbe das einen Wert von 35 Milliarden Euro. Sicher ist das eine hypothetische Betrachtung – aber auch ein imposanter Wert.

Die Motive, warum Menschen Menschen helfen, sind dabei vielfältig: Manchen geht es darum, etwas in ihrem direkten Lebensumfeld zu verbessern. Andere möchten sich jenseits ihres Wohnumfelds betätigen. Wieder andere, und da gehören Sie dazu, schauen noch etwas weiter über den Tellerrand und erblicken dabei jenseits der Landesgrenzen Orte, in denen es sich zu helfen lohnt.

Ich finde, dass das ehrenamtliche Engagement leider oft nicht die Würdigung erfährt, die es verdient hätte. Umso mehr freue ich mich, zwei verdiente Bürger unserer Stadt heute auszeichnen zu dürfen. Damit wird auch das öffentliche Bewusstsein gestärkt, wie wichtig ehrenamtliches Engagement für unsere Gesellschaft tatsächlich ist. Bürgerschaftliches Engagement ist nicht nur wegen der Ergebnisse, wegen der guten Tat wichtig, sondern auch, weil es das Bewusstsein fördert, Teil der Gesellschaft zu sein und so Zusammenhalt herstellt. Und darauf sind wir angewiesen, denn wir müssen verhindern, dass das Band der gesellschaftlichen Gemeinsamkeiten zerfasert oder gar zerreißt.

Ganz in diesem Sinne haben Sie sich, liebe Frau Kolbeck, lieber Herr Kolbeck, für die Gesellschaft verdient gemacht. Deshalb hat sich der Bundespräsident auf Vorschlag des Ministerpräsidenten entschlossen, Ihnen das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu verleihen. Der Orden ist die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung und damit die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik Deutschland für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Er wird an in- und ausländische Bürgerinnen und Bürger verliehen für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen sowie für alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, auch Verdienste aus dem sozialen, karitativen und mitmenschlichen Bereich.

Liebes Ehepaar Kolbeck,

bevor ich zur Verleihung der Orden komme, danke ich Ihnen ausdrücklich im Namen der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Gelsenkirchen für Ihr nicht selbstverständliches Engagement. Ich gratuliere Ihnen herzlich zur Verleihung dieser Auszeichnung, die ich Ihnen nach dem Verlesen des Verleihungstextes im Namen und mit den Glückwünschen des Ministerpräsidenten überreichen darf.

Sehr geehrte Frau Kolbeck, sehr geehrter Herr Kolbeck, die Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland wird vom Bundespräsidenten wie folgt begründet [Die Begründung wird in gekürzter und bereinigter Form wiedergegeben.]:

Renate und Roland Kolbeck haben durch ihr langjähriges Engagement im humanitären Bereich auszeichnungswürdige Verdienste erworben.

Das Ehepaar gehörte im Jahr 1996 zu den Mitgründern des Vereins „Deutsch-Georgisches-Zentrum für internationale Beziehungen“, kurz DGZ. Zunächst war es das Ziel, sowohl persönliche als auch geschäftliche Kontakte mit Georgien aufzubauen. So kümmerten sie sich zunächst intensiv um junge Menschen aus Georgien, indem sie sie nach Gelsenkirchen einluden. Hierbei handelte es sich einerseits um einige mehrwöchige Besuche im Haushalt der Familie Kolbeck. Andererseits wurden junge Menschen unterstützt, die in Deutschland ein Studium aufnehmen wollten. Ihnen halfen die Eheleute Kolbeck beim Finden und Einrichten einer Wohnung, berieten vielfach und unterstützten sie auch finanziell.

Als der ursprüngliche Ansatz des DGZ nach zwei Jahren nicht mehr trug, überzeugte das Ehepaar Kolbeck die übrigen Mitglieder davon, die Zielsetzung des Vereins zu verändern. Schrittweise begann die Unterstützung von Flüchtlingsfamilien aus Abchasien, die in einem georgischen Flüchtlingslager untergebracht waren. Durch unermüdliche Anstrengungen, insbesondere von Herrn und Frau Kolbeck, wurden in Gelsenkirchen und der näheren Umgebung ab 1998 mehr als 100 Paten gewonnen, die immer wieder für Kinder in Georgien Geldspenden leisteten. Neben diesen Dauerspendern bringt sich auch eine Vielzahl von Einzelspendern ein, mit deren Hilfe Projekte umgesetzt werden. So wurden für einige Kinder notwendige Operationen finanziert und der Musikalischen Mittelschule in Kutaissi wurde ein Geldbetrag für die Renovierung sanitärer Anlagen zur Verfügung gestellt.

Das Internat Brozeula wurde jedes Jahr auf verschiedene Art und Weise unterstützt. So wurde die Infrastruktur des Internatshauses verbessert. Die im Internat lebenden Waisen erhielten bessere Kleidung und alljährlich wurden für sie ein Fest und eine Ferienfahrt finanziert. Seit 1998 sammeln die Eheleute Kolbeck von zu Hause aus Kleidung und andere Dinge des täglichen Lebens sowie medizinische Geräte und Hilfsmittel. Diese werden sortiert, verpackt und in Containern nach Georgien gebracht.

Die Eheleute Kolbeck organisieren die gesamte Arbeit des DGZ. Sie bereiten die Reisen nach Georgien sorgsam vor und verteilen einmal pro Jahr persönlich vor Ort Geld- und Sachspenden an die Patenkinder sowie an die Projektgruppenleitungen. Die Patengelder und Einzelspenden, die sich bis heute auf insgesamt fast 100.000 Euro belaufen, werden vor der Reise nach Georgien überwiesen, dort unter Polizeischutz von der Bank in das Georgisch-Deutsche Zentrum (GDZ) transferiert und an den Folgetagen an die Empfänger verteilt. Ihre Reisen nach Georgien finanzieren die Eheleute Kolbeck dabei aus eigener Tasche.

Für ihr Engagement in Georgien wurden die Eheleute Kolbeck, die ihrem ehrenamtlichen Engagement für Georgien den größten Teil ihrer freien Zeit widmen, 2003 mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Kutaissi ausgezeichnet. Im Mai 2008 übernahm Herr Kolbeck nach siebenjähriger Mitarbeit als Mitglied des Vorstandes neben seinen bisherigen Aufgaben den Vorsitz und damit die gesamte organisatorische Abwicklung des als gemeinnützig anerkannten DGZ. Auch die beiden Kinder des Ehepaares Kolbeck, die beide berufstätig sind, bringen sich – dem Vorbild ihrer Eltern folgend – in die ehrenamtliche Arbeit ein. So ist die Tochter in die Organisation der Reisen und die Aktivitäten vor Ort eingebunden. Der Sohn übernahm für seinen Vater die Buch- und Kontoführung des Vereins.

Das Auswärtige Amt hat den besonderen Einsatz der Eheleute Kolbeck in Georgien ausdrücklich bestätigt.

***20.01.2010/58
 

Der Text der Rede wurde dem DGZ von der Pressestelle der Stadtverwaltung Gelsenkirchen zur Verfügung gestellt.

Quelle: Originaldokument der Pressestelle

Fotos vom Festtag

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